Epochenübersicht

Epochen im Vergleich

Zeitlich werden Antiquitäten (vor allem Gebäude und Einrichtungen) in verschiedene Stile eingeordnet. Wir haben versucht, die einzelnen Stile zu erklären.

Die einzelnen Epochen sind:

 

BAROCK (~ 1650)

Obwohl Italien als Ursprungsland der barocken Architektur, der meist unmittelbar die Möbelkunst nachfolgt, anzusehen ist, sind die italienischen Barockmöbel nicht vorbildhaft für die weitere Stilentwicklung. Die klassische Ausprägung frühbarocker Wohnkultur findet vielmehr in Flandern statt, wo um 1620 in Antwerpen Peter Paul Rubens sein Haus ausstattet.

Wohnluxus ist nicht mehr Privileg der Aristokratie und der Fürstenhöfe, sondern verbreitet sich immer stärker unter dem wohlhabenden Bürgertum. Da man allgemein eine mehr mobile Einrichtung schätzt, kommen immer öfter leichtere Sitzmöbel auf, die nun meist um das Zentrum des Raumes, den offenen, ummantelten Kamin angeordnet sind.

Als neue Einzelformen treten das gedrechselte Säulenbein und der Kugelfuß auf. Schränke sind seit der Mitte des 17. Jh.s meist zweitürig; Anrichten werden zum Büfett umgestaltet, das nicht nur der Aufbewahrung von Gegenständen, sondern auch repräsentativen Zwecken dient.

Die Handelsbeziehungen der Ostindischen Kompanie bringen Einflüsse chinesischer und japanischer Kunst.In Frankreich wird, im Gegensatz zu den Niederlanden, mehr das reich geschnitzte, eingelegte und vergoldete Luxusmöbel bevorzugt; Paris entwickelt sich unter Kardinal Mazarin und Ludwig XIV. zur Kunstmetropole, die mit ihren prunkvoll ausgestatteten Repräsentationsbauten stil- und geschmacksbildend wirkt.Raffinierte Techniken werden von A. Ch. Boulle entwickelt, neue Möbeltypen wie Kommode und Bureau Plat, eingeführt. Die Gründung der Hofwerkstatt »Manufacture royale des meubles de la couronne« im Jahre 1667 zentralisiert die Möbelanfertigung.

In Deutschland setzt der Barock aufgrund der Wirren und Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges erst in der 2. Hälfte des 17. Jh.s ein. Während sich die Fürstenhöfe am Pariser Geschmack orientieren, bevorzugen die reichen Patrizierfamilien vor allem des norddeutschen Raumes die niederländische und flandrische Möbelkunst.

ROKOKO (1720 – 1770)

Der Übergang vom schweren, prunkvollen Repräsentationsstil des Barock zum zierlichen Rokoko vollzieht sich in den 20er Jahren des 18. Jh.s in Frankreich. Vorbereitet wird er im Ornamentstil Bérains, dem Laub- und Bandelwerk.

Die Metalleinlagen Boulles weichen der zarteren Marketerie aus exotischen Hölzern; Bronzeschuhe, schnörkelige Schlüsselschilder und Zuggriffe in Rocailleform verzieren die Möbelstücke, die sich auch im Kontur dem schwingenden, bewegten Stil der Zeit anpassen.

Die Geselligkeit spielt sich in kleinerem, intimem Rahmen ab, so dass nun vor allem Kleinmöbel, Beistelltische und ähnliches gebraucht werden.

Lieblingseinrichtungsgegenstand ist die Kommode, geschnitzt, gefasst oder mit kostbaren Hölzern furniert oder intarsiert. Oft trägt sie eine marmorne Deckplatte, die farblich auf den des Möbels abgestimmt ist.Ein neues Möbelstück ist der Konsoltisch, der meist paarweise auftritt und stets an der Wand steht, oft unter hohen Spiegeln. Von großer Bedeutung für die Raumgestaltung des Rokoko ist das natürliche und künstliche Licht, dessen Wirkung besonders Spiegelkabinetten zur Geltung kommt. Zahlreiche farbig gefasste Möbel in zarten Pastelltönen wie Hellgelb, Hellblau und Hellgrün, meist kombiniert mit Gold oder Silber, tragen zur hellen, freundlichen Wirkun der Innenräume bei.Das Rokoko hält sich in Europa bis etwa 1770 und wird dann durch das Louis-seize beziehungsweise den Zopfstil abgelöst.

KLASSIZISMUS (1770 – 1830)

Gegenbewegung zu Barock und Rokoko, die sich auf die griechisch-antiken Ursprünge der abendländischen Kunst besinnt. Der Klassizismus umfasst die Periode von etwa 1770 bis 1830.

Man unterscheidet im deutschen Sprachgebiet vier zeitlich aufeinanderfolgende Stillagen, den Zopfstil, das Empire, das Biedermeier und das Spätempire.

In Frankreich entsprechen diesen einzelnen Phasen das späte Louis-seize (1774-1792), Directoire (1795-1799),Consulat (1799-I804), Empire (1804-1815) und der Beginn der Restauration.Die englische Möbelkunst kennt keinen abgegrenzten Klassizismus. Ihre von griechischen Formen beeinflussten Erzeugnisse gehören dem Regency an.

EMPIRE (1804 – 1830)

Streng genommen bezeichnet Empire die Epoche des Kaisertums Napoleons 1. (1804 bis 1815); doch bereitet sich die Stilwende zu einer der klassischen Antike angenäherten Form und Dekoration bereits unter Ludwig XVI. vor, die bis etwa 1830 dauert.

Der neue Stil erscheint relativ gleichförmig in ganz Europa, da er total auf Paris ausgerichtet ist.

Nicht nur Dekorationselemente, sondern auch vollständige Architekturformen der Antike finden sich an den Möbeln wieder.

Binnengliederungen zeigen sich in diversen Maserungen und den feuervergoldeten Bronzebeschlägen mit den typischen Zierformen der Zeit:

Adler, Viktorien, Greifen, Lorbeerkränze, Palmetten und Myrtenblätter.Hauptmeister in Frankreich sind der Ébéniste G. Jacob und sein Sohn Jacob-Desmalter; als führender Entwerfer für Bronzebeschläge gilt P. P. Thomire.Stuhl- und Tischbeine sind häufig tiergestaltig.Zu den beliebten Möbelformen zählen Sekretäre mit aufklappbaren Frontplatten; ausserdem Beistellmöbel, die als Servier- oder Arbeitstischchen genutzt wurden.Eine neue Erfindung ist die »Psyche«, ein schwenkbarer, zwischen zwei freistehenden Stützen befestigter großer Spiegel.Als Einrichtungsgegenstand erhält das Klavier besondere Bedeutung.

BIEDERMEIER (1815 – 1830)

Stilbegriff der bürgerlichen Wohnkultur in den deutschsprachigen Ländern zwischen 1815 und 1830. Ursprünglich eine Spottbezeichnung, wird das Biedermeier erst gegen Ende des 19. Jh.s rehabilitiert.

Der Stil ist zwar formal dem Empire verpflichtet, intentional hingegen eher ein Anti-Empire, das von der Generation der Freiheitskriege getragen wird. Demzufolge orientiert sich das Biedermeier auch nicht an Frankreich, sondern an England, wo vor allem die Entwürfe Sheratons von großem Einfluss sind.

Weiterhin bringt die Einführung der Gewerbefreiheit es mit sich, daß das Handwerkertum aufblüht.

Möbelformen sind funktionell und werden ausgehend von den handwerklichen Möglichkeiten entwickelt.Das Mobiliar dient nicht mehr repräsentativen Zwecken, sondern der von den Zeitgenossen geschätzten Gemütlichkeit; es ist für den intimen Kreis geschaffen, wie es die typischen Barock-Sitzgruppen, um den runden Tisch herum angeordnet, bezeugen.Beliebt sind ausserdem Schreibsekretäre und kleinere Möbel sowie Vitrinen. Die Schmuckelemente zeichnen sich durch klare, architektonisch geprägte Formen aus; typische Holzarten sind Nußbaum, Kirsche und Birnbaum.Mit Ausnahme Wiens (österreichische Möbel) kennt das Barock keine intarsierten Möbel.

HISTORISMUS (1830 – 1900)

Unter Historismus versteht man in der Geschichte des Kunstgewerbes die Zeit zwischen Biedermeier und beginnendem Jugendstil, jene Epoche der eklektizistischen Retrospektive, die erst in den 30er Jahren des 20. Jh.s diese aus der Geschichtswissenschaft übernommene Bezeichnung erhält.

Während die Wurzeln des Historismus bereits in der Mitte des 18. Jh.s liegen, entwickelt er sich recht eigentlich in der 1.Hälfte des 19. Jh.s parallel mit einem neu auflebenden Geschichtsbewusstsein, dem gezielten Sammeln von historischen Kunstgegenständen und dem Beginn eines konservatorischen Verständnisses für die Erzeugnisse vergangener Epochen.

Die frühesten derartigen Tendenzen in der Geschichte der Möbelkunst lassen sich in Th. Chippendales »Cabinet-Makers Director« beobachten, in dem erstmals ehemalige Stile, wie die Gotik, als zeitgemäss vorgestellt werden. Aus ähnlichen Intentionen entstehen in dieser Zeit die Möbel im chinesischen Geschmack.

Eng verbunden mit dem historischen Interesse ist die romantische Schwärmerei, die sich vornehmlich in der englischen Gartenbaukunst mit ihren gotischen Ruinen manifestiert.

In Deutschland findet diese Vorliebe rasch Anklang. Es entstehen Zeugnisse unmittelbarer Stilübernahmen wie das »Gotische Haus« in Schloss Wörlitz und das historistisch-romantische Ideen- und Formengut wird in zahlreichen Publikationen verbreitet, die sich mit den verschiedensten Baustilen beschäftigen.

Später übernehmen die häufigen Gewerbe- und Industrieausstellungen, sowie die Weltausstellungen diese Vermittlerrolle.

Durch entscheidende Neuerungen auf dem Gebiet der Holzbearbeitung wird die serienmässige Verbreitung historistischer Möbel begünstigt. Die mechanisch angetriebene Hobelmaschine und Furnierschneidemaschine, Kreissäge und andere Spezialmaschinen erleichtern die Anfertigung von Möbeln, die jedoch nicht mehr den Charakter des individuellen Einzelstücks wie noch im 18. Jh. besitzen.Um die Mitte des 19. Jh.s wird die Neugotik langsam abgelöst durch Neubarock und Neurokoko, während im höfischen Bereich das Empire als Vorbild bevorzugt wird. Kunstgewerbemuseen als Vorbildersammlungen für Kunsthandwerker, wie das South Kensington Museum in London, das Bayerische Nationalmuseum in München oder das Österreichische Museum für Kunst und Industrie in Wien, vermitteln die Anregungen aus vergangenen Epochen.Neben diesem Historismus, der Ideen aus anderen Stilen verarbeitet und daraus einen eigenen Mischstil konzipiert, steht der »dogmatische« Historismus, der die getreue Kopie eines historischen Originals fordert. Meist ist er mit der nationalen Idee eines Volkes eng verbunden.So entstehen in Frankreich viele Nachahmungen von Louis-quinze-Möbeln und in Deutschland sogenannte »alt-deutsche« Möbel, deren Vorbilder in der Dürerzeit zu finden sind.Gegen Ende des 19. Jh.s, in der »Gründerzeit«, dominiert mehr und mehr ein vom Malerischen angeregter Historismus, der Einrichtungsgegenstände, Möbel und Architektur mit pompöser Monumentalität prägt.Der französische Historismus zeigt sich vor allem in den Stilen Louis-Philippe und Napoleon III., der englische im viktorianischen Stil.

MODERNE (1850 – 1900)

Die Anfänge des modernen Designs liegen bei der englischen Arts and Crafts-Bewegung. Ihre materialgerechten Formen waren eher richtungsweisend als die des europäischen Jugendstils, der noch nicht in der Lage war, geeignete funktionelle Formen, für die serielle Massenproduktion zu schaffen.

Die Verwendung von Werkstoffen richtet sich nach den technischen Möglichkeiten; Schichtholz, Stahlrohr und Kunststoff ermöglichen die Verwirklichung nahezu jeden Designs.

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickeln sich drei Hauptzentren moderner Möbelkonzeption: Holland mit der konstruktivistischen Künstlergemeinschaft des Stijl, Deutschland mit dem Bauhaus und Frankreich mit den zukunftsweisenden Entwürfen von Le Corbusier und seiner Mitarbeiterin Charlotte Perriand.

G. Rietvelds geometrische Strukturelemente wirken anregend für die Möbelentwürfe W. Gropius’, des Leiters des Bauhauses, der es als entscheidend ansah, vor der Konzeption eines Möbels die Werkstoffe und deren funktionelle Bedingungen zu studieren.

Etwa gleichzeitig entwickelt sich in Skandinavien eine gegenläufige Tendenz, die auf herkömmlichen handwerklichen Techniken aufbaut und traditionelle Materialien verwendet. Ihr Vorkämpfer ist der Däne Kare Klint.

In den Vereinigten Staaten fordert der Architekt und Designer F. L. Wright die totale Integration der Einrichtung in die Architektur; ähnliche Wege gehen die Japaner, allen voran Isamo Noguchi und George Nakashima.

Einen besonderen Verdienst erwarb sich das Museum of Modern Art in New York mit seinen Wettbewerben um die Gestaltung von Billigmöbeln; pionierhafte Leistungen auf dem Gebiet der serienmässigen Möbelherstellung erbrachte die Firma Knoll.

Auch die Bedeutung von einzelnen Möbeltypen hat sich in der Moderne verschoben, bedingt durch den Funktionalismus und die Architektur enger Neubauwohnungen. Die früher oft die Zimmer beherrschenden Schränke oder Büffets werden in ihrer Eigenständigkeit fast bedeutungslos.Teilweise, besonders in Skandinavien, werden sie gleich in die Wand eingebaut oder aber, wie bei Le Corbusier, als Raumteiler benutzt. Das Inventar von Kommoden und Schreibtischen wandert in unauffällige Schrankwände; Betten werden versenkt oder hochgeklappt.So zeigt sich der moderne Funktionalismus auch darin, dass die bekannten Designer vorwiegend Sitzmöbel entwerfen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten schied Deutschland im Bemühen um ein zeitgemässes Design aus.Das Bauhaus wurde geschlossen und als »entartet« verdammt, seine Mitarbeiter emigrierten zum großen Teil und setzten ihre Arbeit in den USA fort. Die Ideologie des Nationalsozialismus bewirkte auch auf dem Gebiet der Möbelkunst einen Rückschlag in einen nationalen Historismus, der »altdeutsches«, ins Klobige umgesetztes Mobiliar propagierte.Nach dem Krieg bestand in Deutschland nicht die Priorität, sich um modernes Design im Möbelbau zu kümmern. Erst seit der Mitte der 50er Jahre gewann es wieder an Bedeutung. In Mode kamen sogenannte Nierentische, später Schalensessel und Möbel aus Teakholz.Der skandinavische Einfluss auf das deutsche Möbeldesign hält bis heute an.

Im Gegensatz zur frühen Moderne spiegeln sich zeitgenössische Strömungen der Bildendenden Kunst heute im Möbelentwurf kaum wieder, sieht man einmal von der durch Pop-Art inspirierten knalligen Farbgebung mancher Möbel in den 60er Jahren ab.

JUGENDSTIL (1900 – 1914)

Die Reaktionsbewegung auf die Aufsplitterung von Kunst und Kunstgewerbe durch die verschiedenen historistischen Stile und auf die Industrialisierung des Handwerks ist im Grunde übernational, so dass sie in den europäischen Ländern fast gleichzeitig, um 1900, erscheint.

Die Epoche des Jugendstil dauert streng genommen nur etwa zehn Jahre, ihr eigentliches Ende ist der Ausbruch des Ersten Weltkrieges; doch hat sie durch ihre Theorien das Erscheinungsbild unserer Umwelt entscheidend verändert und die Moderne eingeleitet.

Die Ursprünge des Jugendstil, in Frankreich Art Nouveau und in Österreich Sezessionsstil (Wiener Sezession) genannt, liegen in England, das sich als einziges europäisches Land, obwohl es den Anstoss zu dieser Entwicklung gegeben hatte, der Bewegung nur zögernd anschloss.

Die kunsttheoretischen Schriften J. Ruskins, die von Edward Burne-Jones auf das Gebiet der Malerei und von W. Morris in das der angewandten Kunst umgesetzt wurden, lassen sich trotz ihrer Komplexität auf einen Nenner bringen:

Schönheit vermag nur die traditionelle, handwerkliche Arbeit hervorzubringen. Das Grundelement des Jugendstil ist damit expliziert:

Die totale Absage an die maschinelle, serielle Fertigung (obwohl im Verlauf der Jugendstil-Bewegung durchaus wieder industrielle Fertigungsmethoden angewandt wurden, z.B. die Maison moderne des deutschen Kunstkritikers Julius Meier-Graefe).

Die von Morris 1861 gegründete Firma Morris, Marshall & Faulkner exportierte schon sehr bald ihre kunsthandwerklichen Erzeugnisse auf den Kontinent, wo man mit Staunen die Möbel, bemalten Papiere, Stoffe, Tapeten und Keramiken bewunderte, die im Sinne des Ensembles in alter handwerklicher Technik gefertigt waren.

Bald darauf stellte auch die noch heute bestehende Firma A. L. Liberty ähnliche Erzeugnisse des Kunstgewerbes vor. Diese Zeit des Aufbruchs muss man parallel zum englischen Präraffaelismus sehen, d.h. sie besitzt einen starken religiösen und pädagogischen Einschlag, der später dem eigentlichen Jugendstil fehlt.Eine gewisse, letztendlich das Bauhaus beeinflussende Nüchternheit dem ersten Überschwang gegenüber stellt sich dann in der zweiten Generation der englischen Arts and Crafts-Bewegung ein; bei A. Mackmurdo, Ch. A. Voysey und vor allem bei Ch. R. Mackintosh, dem Gründer der Glasgower Kunstschule.Eine weitere Quelle des Jugendstil sind die kunsttheoretischen Schriften Viollet-le-Ducs, der in seiner Bewunderung für das mittelalterliche Handwerk zwar noch stark dem Historismus verpflichtet ist, jedoch sich als absoluter Gegner der Industrialisierung des Gewerbes zeigt.In seiner Nachfolge steht vor allem der Spanier Antonio Gaudi, dessen Bauten in Barcelona eine übersteigerte, fast symbolistisch-literarische Vision der Gotik sind. Damit ist ein dritter Einflussbereich des Jugendstil genannt: der Symbolismus, der sich in Literatur und Kunst niederschlägt.Es sind vor allem Maeterlinck und Verhaeren in Belgien sowie die Zeichner und Maler Aubrey Beardsley in England, Ferdinand Khnopff in Belgien, Gustav Klimt in Österreich und Gustave Moreau in Frankreich, die als Wegbereiter – nicht als Vertreter – des Jugendstil anzusehen sind.Gegen Ende des 19.Jh.s erwacht in Europa plötzlich das Interesse für die Kunst Japans und des Fernen Ostens, die eine weitere Inspirationsquelle des Jugendstil darstellt. Die Beschäftigung mit der japanischen Malerei nimmt bisweilen kuriose Formen an wie in Eugène Grassets Werk »La Plante et ses applications ornamentales«, in dem sich Mittelalter, Naturalismus und japanische Kunst in einer Synthese begegnen. Der fernöstliche Einfluss schlägt sich dann in großem Maße in den kunstgewerblichen Erzeugnissen der Schule von Nancy (E. Gallé) nieder.

ART DECO (1910 – 1935)

Vom Kunstgewerbe ausgehender Stilbegrif, der sich von der 1925 in Paris abgehaltenen Ausstellung »Exposition des Arts De’coratifs et Industriels Modernes« herleitet.

Die Epoche zwischen den beiden Weltkriegen, zeitlich etwa zwischen 1910 und 1935 anzusetzen, löste den Jugendstil ab und war geprägt von einem symmetrisch-linearen Stil, der, obwohl in Frankreich entstanden, sich auch in Deutschland und Amerika ausbreitete.

Holländischer Stil, Bauhaus, Wiener Werkstätte, aber ebenso die Innenraum- und Architekturgestaltungen F. L. Wrights spiegeln das neue Stilgefühl.

Die Entdeckung des Grabes von Tutanch-amun 1922/23 ruft eine ägyptische Mode ins Leben, die sich unmittelbar am antiken Vorbild inspiriert. Daneben sind exotische Einflüsse bedeutsam, wie die Kunst der Indianer Nord- und Südamerikas oder die ‘Negerkunst’.

In den großen Pariser Kaufhäusern, im Au Prinemps oder in den Galeries Lafayette, entstehen während der zwanziger Jahre Design-Werkstätten für Innenraumgestaltungen in enger Zusammenarbeit von Kunsthandwerk und industrieller Fertigung. Kennzeichnend sind kubistisch-geometrische Formen, bedeutsam die Verwendung von Metallen oder synthetischen Materialien.

Exotischen Hölzern und Elfenbein, Bronze- und Silberbeschlägen sowie Lackarbeiten wird der Vorzug gegeben. Insgesamt zeichnet sich das Mobiliar des Art Deco durch raffinierte Materialwahl und hoch kultivierte, handwerkliche Verarbeitung aus.

Die Entwerfer der Innenräume teilen sich in Traditionalisten und Konstruktivsten; die ersteren bewahren geschwungene Linie und Kontur und betonen gleichzeitig die preziöse Verarbeitung des Möbels, während die letzteren neue ungewohnte Materialien verwenden. Zu den Traditionalisten gehören vor allem L. Jallot, der als einer der ersten Ziernägel aus Elfenbein verarbeitete, M. Dufréne und Paul Follot.1919 gründen Louis Sue und André Mare die Compagnie des Arts Francais , die sich die komplette Ausstattung von Innenräumen, einschliesslich aller Dekorationsobjekte zum Ziel setzte.Der bedeutendste unter den Traditionalisten jedoch ist E.-J. Ruhlmann. Seine Möbel werden charakterisiert durch perfekte handwerkliche Verarbeitung und den Gebrauch seltener, exotischer Hölzer. Schon zu seiner Zeit galt der Erwerb eines seiner Möbel als Luxus, den sich nur eine dünne Oberschicht leisten konnte. Ruhlmanns »Pavillon d’un Ambassadeur« auf der Pariser Weltausstellung 1925 stand für diese hochgezüchtete Möbelkunst.Die Konstruktivisten hingegen entwarfen gezielter auf eine industrielle Serienfertigung hin, die sich in der Wahl der Materialien zeigt: Neben natürliche, bewusst schmucklos belassene Hölzer, Leder oder Stroh treten die ersten Kunststoffe, Aluminium und Stahl. Als bedeutendste Vertreter dieser Richtung gelten Djo-bourgeois, P. Chareau und Jean Michel Frank. Wichtige Anregungen von den Konstruktivisten erhielten M. Breuer und Le Corbusier, um nur einige zu nennen.Ein komplett erhaltenes Ensemble des A. D. führt uns die New Yorker Radio City Music Hall vor Augen, die angefangen von Teppichen, Möbeln, Lampen und Dekorationsgegenständen bis hin zu verspiegelten Bädern den Geist der Zeit aufleben lässt.

BAUHAUS (1919 – 1932)

Staatliches, 1919 in Weimar von W. Gropius als Kunstgewerbeschule wie -werkstatt gegründet.

1925 Übersiedlung nach Dessau, 1932 Auflösung durch die Nationalsozialisten.

Das Bauhaus war sowohl in künstlerischer wie pädagogischer Hinsicht zukunftsweisend für die Moderne in ganz Europa.

In Teamarbeit wurden die Schüler zu solider, mit Papierschnipseleien beginnender Handarbeit erzogen. Dies bei gleichzeitiger Förderung des künstlerischen individuellen Schöpfertums. Mit seiner bedingungslosen Abkehr von Historismus und Jugendstil eröffnete das Bauhaus den Weg zu moderner Formgebung, selbstverständlich unter Einbeziehung moderner Techniken und Serienproduktion.

»Kunst und Technik« sollten »eine neue Einheit« (W. Gropius) bilden und dem ganzen Volk zugänglich sein.

Leiter der Werkstatt Tischlerei waren M. Breuer, W. Gropius, J. Zachmann, R. Weidensee, J. Itten u. a. Weitere bekannte Mitglieder des Bauhaus waren die Möbelentwerfer P. Keier, M. Stam, A. Buscher, E. Brendel, H. Nösselt und E. Dieckmann.1928 wurden Tischlerei und Metallwerkstatt zusammengefasst – drei Jahre, nachdem M. Breuer seinen ersten Stahlrohrsessel entwickelt hatte. Entsprechend dem Prinzip des Bauhaus, dass Material und Funktion eines Gegenstands aufeinander abgestimmt sein müssen, erfüllten die Metallmöbel die Forderung, leicht und beweglich zu sein. Die von Dieckmann und Albers entworfenen Holzmöbel waren zum Teil zerlegbar oder zusammenklappbar.Mehrere der von Bauhaus-Künstlern entworfenen Möbel werden heute wieder hergestellt. Ein größerer Teil der Bauhaus-Möbel befindet sich im Berliner Bauhaus-Archiv und Kunstgewerbemuseum.Nachdem die Nationalsozialisten dem fruchtbaren Bauhaus-Schaffen ein jähes Ende gesetzt und die meisten Künstler in die Emigration getrieben hatten, versuchte nach dem Krieg die Ulmer Hochschule für Gestaltung die Bauhaus-Tradition fortzusetzen.